Von e-dec zu Passar: Warum der Schweizer Zoll kein Schreckgespenst ist

15. Juni 20265 Min. Lesezeit

Zollsysteme
Ein Zollarbeitsplatz zeigt den Übergang von alter e-dec Software auf einem Desktop-Computer zu einem modernen digitalen Passar-Workflow auf einem Tablet

Wer im grenzüberschreitenden Handel mit der Schweiz aktiv ist, kommt an einem Wort seit Monaten nicht mehr vorbei: Passar. Das neue Warenverkehrssystem des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) ist das Herzstück des Digitalisierungsprogramms DaziT. Das Ziel klingt wie Musik in den Ohren geplagter Logistiker: durchgehende Digitalisierung, schlankere Prozesse, schnellerer Grenzübertritt.

Aber wie es bei Großprojekten der Behörden so ist: Zwischen Theorie und Praxis liegt oft ein steiniger Weg. Während die einen noch aufatmen, weil der Export-Umstieg geschafft ist, rollt auf der Import-Seite bereits die nächste Welle an.

Schauen wir uns mal an, wo wir gerade stehen: pragmatisch und ohne Beamtendeutsch.

Der Export: Das Pflaster ist ab

Machen wir einen kurzen Blick zurück. Der Umstieg bei der Durchfuhr und der Ausfuhr, im Fachjargon Passar 1.0 genannt, hat der Branche einiges an Nerven gekostet. Ursprünglich war alles viel schneller geplant, dann gab es Verzögerungen, technische Stolpersteine und am Ende eine Fristverlängerung für den Parallelbetrieb.

Aber seit dem 1. Januar 2026 ist endgültig Schluss mit e-dec Export. Das Pflaster ist ab, das alte System abgeschaltet.

Wie läuft es in der Praxis? Die ersten Wochen waren für viele Unternehmen ein holpriger Kaltstart. Software-Updates mussten greifen, Zoll-Stammdaten in der neuen Zollkundenverwaltung (ZKV) sauber hinterlegt sein und das Team musste lernen, mit dem neuen Digital Transport Slip (DTS) statt den alten Papieren umzugehen.

Mittlerweile zeigt sich aber: Wer seine Hausaufgaben gemacht und eine fähige Zollsoftware im Hintergrund hat, profitiert. Die automatische Bewilligungsprüfung funktioniert, und die Warenanmeldungen lassen sich bis zur Aktivierung flexibler korrigieren als früher. Der Export läuft. Die erste Hürde ist genommen.

Der Import: Passar 2.0 wirft seine Schatten voraus

Wer jetzt denkt: "Super, Thema erledigt, wir können uns wieder hinlegen", liegt leider falsch. Denn während der Export über die Bühne ist, wartet das eigentliche Schwergewicht noch auf der Rampe: die Einfuhr, also e-dec Import.

Das BAZG hat den Start von Passar 2.0 im Import bewusst etwas nach hinten verschoben, um die Erkenntnisse aus dem Export-Chaos einfließen zu lassen. Eine weise Entscheidung, denn der Import ist in der Regel deutlich komplexer. Man denke nur an verschiedene Abgaben, Zolllager, Einfuhrgenehmigungen oder länderspezifische Besonderheiten.

Hier ist der Fahrplan, den Sie jetzt auf dem Schirm haben müssen:

  • Jetzt, im zweiten Quartal 2026: Die Pilot- und Vorproduktionsphase läuft an. Erste Unternehmen und Speditionen testen Passar 2.0 in ausgewählten Domizilprozessen und an ersten Grenzübergängen. Der offizielle Parallelbetrieb mit e-dec Import hat nach aktueller Roadmap begonnen.
  • Die kommenden Monate: Es geht ans Onboarding, Testen und die Software-Integration.
  • 31. März 2027: Das ist die magische Deadline. Am 31. März 2027 wird nach aktuellem Plan e-dec Import endgültig beerdigt. Ab dem Folgetag geht beim Schweizer Zoll im Import nichts mehr ohne Passar.

Die tollste IT-Infrastruktur bringt Sie nicht über die Grenze, wenn der digitale Ausweis fehlt.

Was ändert sich beim Import konkret?

Passar ist nicht einfach nur ein neues Design für alte Eingabemasken. Es ändert sich die Logik dahinter.

Bisher trennte man oft strikt zwischen der Zollanmeldung und dem eigentlichen Transport. Passar führt diese Welten enger zusammen. Schlüssel dafür ist die Transportanmeldung. Das bedeutet: Die Warenanmeldung wird final an der Grenze durch die Transportanmeldung aktiviert.

Im Idealfall rollt der Lkw ohne administrativen Zwischenstopp über die Grenze, weil die Risikoanalyse im Hintergrund bereits automatisch durchgelaufen ist und grünes Licht gibt. Der Fahrer verwendet die ACTIV App und bekommt das Signal, dass sein Lkw freigegeben ist. So kann er den Grenzübergang ohne Stopp am Schweizer Zoll passieren.

Zudem wird es mit Passar Import einfacher, Anmeldungen vor Eintreffen an der Grenze zu ändern. Bis die Ware an der Grenze tatsächlich aktiviert wird, können Fehler in der Anmeldung unkompliziert korrigiert oder Dokumente zurückgezogen werden. Das spart Zeit und die oft mühsamen nachträglichen Gesuche.

Ein Fahrer hält Smartphone und Tablet mit digitaler Freigabe und Transportanmeldung vor einer unscharfen Logistikumgebung

Unser Fazit: Hausaufgabe Nummer 1 sind die Geschäftspartner-IDs

Wenn uns die Umstellung im Export eines gelehrt hat, dann das: Wer die Basics verschleppt, gerät am Ende massiv unter Druck. Mitte des Jahres 2025 hatten viele Exporteure die Umstellung zu lange auf die lange Bank geschoben, was im Herbst zu echtem Stress führte.

Was also jetzt tun? Software-Updates installieren oder das Team-Training planen kann durchaus noch einen Moment warten, bis sich der Staub der aktuellen Pilotphase etwas gelegt hat. Es gibt aber eine fundamentale Hausaufgabe, die Sie genau jetzt angehen sollten: die Geschäftspartner-IDs im ePortal des BAZG.

In der neuen Passar-Welt läuft ohne diese IDs absolut gar nichts. Die Zeiten, in denen man sich mit Provisorien durchmogeln konnte, sind vorbei. Jeder Akteur in der Lieferkette braucht zwingend eine saubere Registrierung im ePortal. Sowohl UID als auch ZAZ-Nummer verlieren ihre Gültigkeit, beides wird durch die GP-ID abgelöst.

Unsere klare Empfehlung für die kommenden Wochen:

Räumen Sie Ihre Stammdaten auf. Kümmern Sie sich darum, dass Sie, und im Idealfall auch Ihre wichtigsten Import-Kunden und Partner, ordnungsgemäß im ePortal des BAZG registriert sind und die entsprechenden Geschäftspartner-IDs generiert wurden. Überprüfen Sie, ob die Verknüpfungen und Rollen stimmen.

Kurz gesagt: Die tollste IT-Infrastruktur bringt Sie nicht über die Grenze, wenn der digitale Ausweis fehlt. Machen Sie die Stammdatenpflege im ePortal zu Ihrer ersten Amtshandlung für Passar 2.0. Wer diesen Haken frühzeitig setzt, nimmt sofort den Druck aus dem Kessel und muss im Frühjahr 2027 nicht bangen, dass die Lieferkette an einer fehlenden Nummer scheitert.

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